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Stueber

Fakultäten » Philosophische Fakultät » Vergleichende Sprachwissenschaft, Institut für » Indogermanistik » Prof. Dr. Karin Stüber (ausgetreten) » Stueber

Completed research project

Title / Titel Verbal Nouns in Indo-Iranian and Celtic
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Verbalnomina im Indoiranischen und Keltischen
Summary / Zusammenfassung Das Forschungsprojekt untersucht die Verbalnomina einerseits des Indoiranischen, andererseits des Keltischen. Ein Vergleich der Ergebnisse dieser zwei Sprachzweige soll dann Aufschlüsse auch über die Situation in der indogermanischen Grundsprache geben. Die Wahl gerade dieser zwei Sprachzweige als Untersuchungsgegenstand ist dadurch begründet, dass diese beiden in Bezug auf infinite Verbalformen Besonderheiten zeigen: die ältesten indischen und iranischen Sprachen kennen keinen eigentlichen Infinitiv, sondern eine Vielzahl mit verschiedenen Suffixen gebildeter Formen, die in finaler Funktion und ansatzweise infinitivisch verwendet werden. Die inselkeltischen Sprachen kennen überhaupt keinen morphologisch definierten Infinitiv und verwenden stattdessen ein Verbalnomen, das wie ein gewöhnliches Nomen flektiert und nominale Rektion aufweist. Auch hier findet sich eine grosse Diversität bei den verwendeten Suffixen.
Die Suffixe, die im Keltischen zur Bildung von Verbalnomina bzw. in den indoiranischen Sprachen zur Bildung von Infinitiven verwendet werden, sind im Wesentlichen aus dem Indogermanischen ererbt und bildeten dort Verbalabstrakta. Durch den Vergleich der verschiedenen Stammbildungen soll nach morphologischen und semantischen Gesetzmässigkeiten gesucht und ein Bild vom Zusammenspiel verschiedener Wortbildungsmuster zu verschiedenen Zeiten in der Vorgeschichte der keltischen bzw. der indoiranischen Sprachen gewonnen werden. Schliesslich wird es darum gehen, Gemeinsamkeiten der beiden Sprachzweige aufzuzeigen und so die Kenntnis von der indogermanischen Grundsprache zu erweitern.
In einer ersten Phase wurden die einschlägigen Formen im Indoiranischen (Vedischen, Avestischen) einerseits und Keltischen (Altirischen, Kymrischen) andererseits gesammelt und hinsichtlich ihrer Morphologie, aber auch ihrem syntaktischen Verhalten untersucht.
Erste Ergebnisse zum Altirischen und Vedischen liegen bereits vor.
Altirisch: Es konnte gezeigt werden, dass es im Altirischen, das gemeinhin dafür bekannt ist, keinen Infinitiv zu besitzen, eine Konstruktion gibt, die infinitivischen Status beanspruchen darf, nämlich diejenige von do ‘zu’ plus Verbalnomen mit vorangestelltem Subjekt oder Objekt. Sie ist aus einer finalen Adverbialphrase durch Grammatikalisierung entstanden. Der vorangestellte Aktant war ursprünglich Teil des Matrixsatzes und wurde durch Reanalyse in die Infinitivphrase integriert. Ausserdem liess sich zeigen, dass negierte Komplemente bestehend aus cen 'ohne' und Verbalnomen im Kontext evaluativer Matrixprädikate aus konditionalen Adverbialphrasen entstanden sind. In einer weiteren Studie wurden die Mittel der Subjektskodierung bei altirischen Verbalnomina untersucht. In Arbeit ist zur Zeit eine Monographie, die anhand von reichem Textmaterial die syntaktische Verwendung der altirischen Verbalabstrakta darstellen soll.
Vedisch: Die traditionell als Infinitive bezeichneten Formen des Rigvedas lassen sich allesamt entweder als finale, zum Teil als Konverben grammatikalisierte Zirkumstanten oder als nominal flektierte Verbalabstrakta verstehen. Es konnte gezeigt werden, dass die finalen Ausdrücke unter anderem dazu dienen, ein periphrastisches Kausativ zu bilden. Es handelt sich dabei um Periphrasen der Struktur Finaler Ausdruck + Funktionsverb kar ‘machen’ (bzw. + dhā ‘setzen’), die in bestimmten Fällen suppletiv neben das morphologische Kausativ treten und so die Bildbarkeit der Kategorie Kausativ bei allen Verben sicherstellen.
Publications / Publikationen Stüber, Karin: Der altirische do-Infinitiv - eine verkannte Kategorie, Bremen 2009 (Münchner Forschungen zur historischen Sprachwissenschaft 8)
Stüber, Karin: Mit cen ‘ohne’ negierte Komplemente im Altirischen, Zeitschrift für celtische Philologie 57, 2009/10, 124 - 140
Stüber, Karin: Subjektskodierung bei infiniten Komplementsätzen im Altirischen: Syntax, Semantik, Pragmatik, Die Sprache 47, 2007/2008 [2010], 135 - 162
Stüber, Karin: Zur Subjektskodierung mit do ‘zu, für’ beim altirischen Verbalnomen, in: *h₂nr. Festschrift für Heiner Eichner, edd. R. Nedoma und D. Stifter (= Die Sprache 48, 2009), Wiesbaden 2010, 241 - 246
Stüber, Karin: Notizen zu gallisch βρατου, International Journal of Diachronic Linguistics and Linguistic Reconstruction 7, 2010, 69 - 81
Stüber, Karin: Verbalabstrakta im Altirischen: Verbalnomina und verwandte Kategorien, in: Akten des 5. Deutschsprachigen Keltologensymposiums, edd. K. Stüber, Th. Zehnder und D. Bachmann, Wien 2010, 377 - 393
Stüber, Karin: 1.Grammatikalisierung von Infinitiven am Beispiel des Altirischen, in: Indogermanistik und Linguistik im Dialog, Akten Fachtagung Salzburg, edd. T. Krisch und T. Lindner, Wiesbaden 2011, 566 - 574
Zehnder, Thomas: Die Etymologie von vedisch pārá- n. ‘das andere Ufer’, Die Sprache 47, 2007/2008 [2010] 192 - 200
Zehnder, Thomas: Zur Funktion der Infinitive im Rigveda, in: Indogermanistik und Linguistik im Dialog, Akten Fachtagung Salzburg, edd. T. Krisch und T. Lindner, Wiesbaden 2011, 622 - 631
Zehnder, Das periphrastische Kausativ im Veda, Bremen 2011
Keywords / Suchbegriffe verbal noun; Indo-Iranian; Celtic; Indo-European; verbal abstract; infinitive; nominalization; grammaticalization; lexicalization
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Prof. Dr. Karin Stueber (Project Leader) stueber@indoger.uzh.ch
Dr. Thomas Zehnder zehnder@indoger.uzh.ch
Dieter Bachmann, lic. phil. dieter.bachmann@access.uzh.ch
Funding source(s) /
Unterstützt durch
SNF (Personen- und Projektförderung), Private Sector (e.g. Industry)
 
Duration of Project / Projektdauer Jul 2007 to Dec 2013