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Wettstein

Fakultäten » Philosophische Fakultät » Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft, Institut für » Völkerkundemuseum » Prof. Dr. Mareile Flitsch » Wettstein

Completed research project

Title / Titel The Textiles of the Ao Naga and their Meaning for Social Structure and
Cultural Identity
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Die Textilien der Ao Naga und ihre Bedeutung für Gesellschaftsstruktur und kulturelle Identität
Summary / Zusammenfassung (for english information please visit the homepage of the “Völkerkundemuseum der Universität Zürich”, http://www.musethno.uzh.ch/de/forschung/textilien_der_ao_naga.html)


Einst waren die Naga Hinterindiens gefürchtete Kopfjäger mit einer herausragenden materiellen Kultur und aufwändigen Verdienstfesten. Durch die Britische Kolonialisierung, die Baptistische Missionierung und einen über 60 Jahre andauernden Kampf um Unabhängigkeit veränderte sich ihre Kultur stark. Nur wenige der vorkolonialen kulturellen Elemente werden bis heute weitertradiert; Textilien sind eines davon.

Textilien waren und sind noch heute eng mit der Identität der Naga verknüpft. Im Laufe der Zeit hat sich ihre Gestaltung genauso verändert, wie die lokalen Vorstellungen von Identität. Diesen Veränderungen und ihrer Bedeutung für die Gesellschaft nachzugehen, ist Hauptziel des vorliegenden Dissertationsprojektes. Die grundsätzliche Fragestellung befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen materieller Kultur und Identität: Auf welche Weise wird Identität in der materiellen Kultur manifest? Lassen sich Veränderungen des Selbstverständnisses der Lokalkulturen an entsprechenden Veränderungen in der ästhetischen Produktion nachweisen? In welchem Masse sind stilistische Metamorphosen an politische und ideologische Wandlungen geknüpft? Die Dissertation beschäftigt sich mit diesen Fragen auf der Mikroebene. Sehr detailliert am Beispiel eines einzelnen Stammes, den Ao-Naga, und mit einer einzigen Kategorie materieller Kultur, den Textilien, sucht sie, die kleinsten Elemente von Identität zu erfassen. Untersucht wird vor allem die Beziehung zwischen sozialen und kulturellen Identitäts-Elementen und deren Codierung im Design und der Verwendung der Textilien.

Das methodische Vorgehen ist von zwei Prinzipien geprägt: Der ständigen gegenseitigen Rückkoppelung von Befunden aus den historischen Sammlungen mit jenen der aktuellen Feldforschung und dem intensiven Einsatz von visuellen Daten (Fotografien und wissenschaftliche Zeichnungen) in allen Arbeitsschritten, bei der Forschung im Feld, bei der Analyse und schliesslich bei der Präsentation der Ergebnisse. Mithilfe dieser beiden Prinzipien werden zunächst jene kulturellen und sozialen Identitäts-Elemente erfasst, die in den Textilien durch ihr Design und durch ihren Gebrauch codiert sind. Sowohl das Design selbst als auch seine Bedeutung können in einem zweiten Schritt auf ihren historischen Wandel hin untersucht werden. Erste Analysen des bereits vorliegenden Materials zeigen auf der Ebene der kulturellen und sozialen Identitäts-Elemente die Wichtigkeit von Geschlecht, Status (Kopfjagd, Reichtum), Clanzugehörigkeit, Dorfzugehörigkeit und geographischer Verteilung der Sprachgruppen innerhalb der Ao Naga. Auf der Ebene des Designs zeigt sich, dass die Webtechnik selbst das bestimmende Element für die Gestaltung darstellt. Die kleinsten bedeutungstragenden Gestaltungseinheiten in den Stoffen können aufgrund der relativ plakativen, geometrischen Struktur des Designs zweifelsfrei bestimmt werden.

Die Datengrundlage für die Dissertation konnte in den letzten Jahren in dem vom Schweizerischen Nationalfonds SNF unterstützten Forschungsprojekt „Materielle Kultur, Orale Traditionen und Identität bei den Naga Nordostindiens“ erarbeitet werden (siehe Forschungsdatenbank Projekte Michael Oppitz). Erste Resultate dieser Forschung wurden 2008 im Sammelband „Naga Identitäten“ / „Naga Identities“ herausgegeben.

Durch eine fast 60-jährigen Forschungslücke in der Region, besteht bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Naga grosser Nachholbedarf. Die Naga befürchten durch Globalisierung und Vermarktung den Verlust der intellektuellen Besitzrechte an ihren Stoffdesigns. Für die Lokalbevölkerung liegt daher die Bedeutung dieses Dissertationsprojektes in der analytischen und theoretisch kontextualisierten Dokumentation der Stoffdesigns; in seiner Pionierarbeit für die Wiederbelebung der Forschungen zu Nordost Indien im Allgemeinen und den Naga im Speziellen liegen seine Perspektiven für die Wissenschaft.

Weitere Informationen und einige Bildbeispiele finden sie auf der Website des Völkerkundemuseum der Universität Zürich.
Weitere Informationen
Publications / Publikationen 2008b (with Alban von Stockhausen). ‘Cultural extravagance’ and the search for identity in present-day Nagaland. In: Naga: Eine vergessene Bergregion neu entdeckt. Merian, Basel 2008

2008a (Edited Book) with Michael Oppitz, Thomas Kaiser and Alban von Stockhausen. Naga Identities: Changing Local Cultures in the Northeast of India. Snoeck Publishers, Ghent 2008. (German Edition: Naga Identitäten: Zeitenwende einer Lokalkultur im Nordosten Indiens. Benteli Verlag, Basel: 2008.)

Keywords / Suchbegriffe Historical Anthropology, Identity, Material Culture, Textiles, Nagaland, Visual Anthropology, Oral Tradition, Museology, India, Himalaya, Gender, Ao Naga
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Marion Wettstein (Project Leader) wettstein@vmz.uzh.ch
Prof. em. Dr. Michael Oppitz oppitz@vmz.uzh.ch
Other links to external web pages http://uzh.academia.edu/MarionWettstein; http://www.projectdb.snf.ch/WebForms/Frameset.aspx;
Funding source(s) /
Unterstützt durch
SNF (Personen- und Projektförderung)
 
In collaboration with /
In Zusammenarbeit mit
Department of Arts and Culture, Nagaland India
Duration of Project / Projektdauer Sep 2003 to Apr 2009