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Completed research project

Title / Titel International Colloquium «Schrift, Schriftgebrauch und Textsorten im frühmittelalterlichen Churrätien»
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Internationales Kolloquium «Schrift, Schriftgebrauch und Textsorten im frühmittelalterlichen Churrätien», 18.-20 Mai 2006, Tagungsraum Rätisches Museum, Chur
Summary / Zusammenfassung Organisation: Lehrstuhl für Geschichte des frühen Mittelalters, Historisches Seminar, Universität Zürich, in Zusammenarbeit mit dem Verein für Bündner Kulturforschung (VBK), Chur

Churrätien war in der Spätantike und im frühen Mittelalter zumeist Randgebiet der sich ablösenden Großreiche, des Imperium Romanum, des Ostgotenreiches, des merowingischen und karolingischen Frankenreiches und schließlich des ostfränkisch-deutschen Reiches. Gleichzeitig war die Passprovinz immer auch Durchgangsland, und dies nicht nur in Zeiten, in denen die Großreiche erst von Süden und später vor allem von Norden über den Alpenkamm ausgriffen. Über die politische Zugehörigkeit hinaus befand sich das Gebiet auch in wirtschaftlicher und – hier vor allem interessierend – in kultureller Hinsicht im Schnittpunkt unterschiedlich geprägter Großräume nördlich und südlich der Alpen. Diese Konstellation bestimmte maßgebend die Entwicklung von Schrift, Schriftgebrauch und Textsorten im frühmittelalterlichen Churrätien. Sie weckt daher Fragen nach dem Verhältnis von Autonomie und Integration bzw. eigenständiger Entwicklung und Fremdeinflüssen, aber auch nach Kontinuitäten und Brüchen innerhalb von Schriftkultur und Kulturgeschichte Rätiens.

Die zwölf Beiträge befassen sich mit liturgischen und hagiographischen Texten, Inschriften, Rechtstexten sowie archäologischen Quellen. Drei Fragenkomplexe bilden den Rahmen des Anlasses:
1. Die Frage nach eigenständigen Entwicklungen der churrätischen Schriftkultur bzw. nach Einflüssen aus benachbarten Räumen (Oberitalien, Alemannien, Bayern, kernfränkischer und burgundischer Raum): Neben der synchronen Dimension, einem Vergleich zeitgleicher Merkmale von und Einflüssen aus verschiedenen Schriftregionen, wird auch die diachrone Dimension berücksichtigt. Diese betrifft Fragen nach Traditionen und deren Verdrängung bzw. Veränderung. Sind auf diesem Hintergrund Begriffe wie ‚rätische Schriftprovinz’ oder ‚Urkundenlandschaft’ gerechtfertigt?
2. Die Frage nach Gebrauchskontexten von Schrift: Auf welche Weise und über welche Kanäle wird Schriftlichkeit vermittelt? Wer benutzt Texte? In welchen gesellschaftlichen Milieus, bei welchen Gelegenheiten ist Schrifthandeln nachweisbar? Inwiefern lässt sich das Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit ausloten? Wann entwickelt sich Schriftsprache und gesprochene Sprache auseinander? Wird dies in Urkunden und anderen Texten des frühen Mittelalters schon manifest?
3. Die Frage nach Weiterleben und Metamorphosen frühmittelalterlicher Texte, nach deren Überlieferungs- und späteren Gebrauchskontexten: Was wird überliefert, was nicht? Verhältnis von Überlieferung und zu vermutenden Verlusten? Orte der Überlieferung? Wie werden die frühmittelalterlichen Texte überliefert (Stichworte: Sammelhandschriften, Nebeneinander von liturgischer und ‚pragmatischer’ Schriftlichkeit)? Wie setzt sich das Schrifthandeln mit frühmittelalterlichen Texten fort, wie werden diese weiterbenutzt (z.B. im Kontext des Gebetsgedenkens oder der Geltendmachung von Rechtsansprüchen)?

Die Erörterung diplomatischer, kodikologischer und paläographischer Fragen, so nach der Organisation von ganzen Handschriften oder nach der Anordnung von Texten wird für alle drei genannten Fragenkomplexe von Bedeutung sein.

Das Kolloquium wird durch einen öffentlichen Abendvortrag vom Präsidenten der Monumenta Germaniae Historica, Prof. Dr. Rudolf Schieffer, München, eingeleitet und von einer kleinen Ausstellung mit Exponaten aus dem Dom- und Bischofsarchiv begleitet. Im Anschluss an das Kolloquium wird vom Archäologischen Dienst Graubünden eine Exkursion angeboten.
Publications / Publikationen Kaiser, Reinhold: Churrätien im frühen Mittelalter: Ende 5. bis Mitte 10. Jahrhundert, Basel 1998 [2. ergänzte Aufl. für 2008 geplant].

Kaiser, Reinhold: Churrätien und der Vinschgau im frühen Mittelalter, in: Der Schlern 73 (1999) S. 675-690.

Kaiser, Reinhold: Das Frühmittelalter (Ende 5. bis Mitte 10. Jahrhundert), in: Handbuch der Bündner Geschichte, Bd. 1: Frühzeit bis Mittelalter, hg. von Verein für Bündner Kulturforschung, Chur 2000, S. 99-137.

Keywords / Suchbegriffe Rhaetia Early Middle Ages Chur Churrätien Frühmittelalter
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Prof. Dr. Reinhold Kaiser (Project Leader) R.Kaiser@hist.uzh.ch
Dr. Georg Jäger kultjaeg@spin.ch
Other links to external web pages http://www.hist.uzh.ch/kaiser
Funding source(s) /
Unterstützt durch
Others
Verein für Bündner Kulturforschung (VBK)
Duration of Project / Projektdauer Aug 2004 to Sep 2006