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Fuchs

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Current research project

Title / Titel Loyalty and Honour in the Medieval Reynaert-Tradition. A comparative study in vernacular versions from the High and the Late Middle Ages: semantic shift and narrative transformation
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Treue und Ehre in der mittelalterlichen Reynaert-Tradition. Eine komparatistische Untersuchung volkssprachlicher Fuchs-Fassungen vom hohen bis zum späten Mittelalter: semantische Umbesetzungen und narrative Transformationen
Summary / Zusammenfassung Tierepisches Erzählen ist geprägt durch eine kritisch-satirische Darstellung menschlicher Verhaltensweisen. Handlungsträger sind Tiere wie z.B. Löwe, Fuchs und Wolf, welche sich teilweise wie Tiere und teilweise wie Menschen verhalten. So kann der Löwe als Tier zwar furchterregend brüllen, aber keine Gerichtsverhandlung durchführen und keinen Schatz mit Kostbarkeiten besitzen wollen. Diese Verschränkung von animalen und anthropomorphen Zügen innerhalb der Figuren ermöglicht ein indirektes Sprechen über Menschen und deren Verhalten und dient der Artikulation kritischer oder satirischer Aussagen, die sich auf die idealisierte Welt der höfischen Kultur richten. So gibt der Fuchs vor, der treueste Diener des Königs zu sein, betrügt oder ermordet ihn aber. Der Löwe in seiner Rolle als König lässt sich seinerseits vom schmeichelnden Fuchs manipulieren, handelt aus Eigennutz und missbraucht schliesslich seine Macht, um sich mit einem Schatz bereichern zu können.
Im Zentrum dieses Dissertationsprojekts stehen zwei höfische Schlüsselkategorien: triuwe und êre. Sie werden im Blick auf eine auffällige Dynamik sowohl narrativer wie semantischer Umbesetzungen an deutschen und niederländischen Fassungen der mittelalterlichen Tierepik vergleichend untersucht. Die Bedeutung des Dissertationsprojekts besteht somit insbesondere darin, dass 'Treue' und 'Ehre' durch die kritisch-satirische Distanzierung von der höfischen Erzählwelt unter neuartigen Vorzeichen beleuchtet werden, wodurch das Verständnis dieser Begriffe für die Literatur des Mittelalters erweitert werden kann.
Das Textkorpus setzt sich zusammen aus drei Fassungen: Ausgehend von der ursprünglich mündlich überlieferten altfranzösischen Sammlung 'Le Roman de Renart' verbreiteten sich die Fuchs-Erzählungen in einer deutschen (Reinhart Fuchs) und einer niederländischen Erzähltradition (Van den vos Reynaerde, Reynaerts historie) über Europa, welche mit der altfranzösischen Vorlage in einem direkten oder indirekten Abhängigkeitsverhältnis stehen. Anders als ein Grossteil der bisherigen Forschung untersuche ich die Texte aber nicht textgenealogisch, sondern systematisch. Ich begreife die einzelnen Fassungen somit als selbstständige und gleichwertige Textgrössen, die einander im Sinne von Kontrastfolien vergleichend gegenübergestellt werden können (vgl. den Fassungsbegriff nach Bumke).
In dieser Arbeit sollen schliesslich für den ausgewählten Gegenstand zwei benachbarte Forschungsdisziplinen aufeinander bezogen werden, sodass künftig von Beobachtungen und Ergebnissen beider Disziplinen wechselseitig stärker profitiert werden kann. Die je unterschiedlichen Erzählstrukturen zeigen nämlich, dass beim Wiedererzählen (Worstbrock) in den einzelnen Fassungen jeweils eigene Akzente gesetzt werden. Als Folge davon haben die unterschiedlichen Textprofile mittelalterlicher Fuchs-Fassungen in der deutschen und niederländischen Forschung entsprechend divergente Forschungsschwerpunkte entstehen lassen. Eine wechselseitige Reflexion von Forschungsergebnissen fand jedoch nur in Ansätzen statt, sodass die deutsche und niederländische Forschungsdebatten noch immer weitgehend nebeneinander existieren. Die sich daraus ergebenden Chancen für einen Dialog wurde trotz der überaus günstigen Voraussetzung des 'Roman de Renart' als gemeinsamem Ausgangstext vor allem von germanistischen Mediävisten meist nur zögerlich genutzt. Systematisch angelegte Forschungsbeiträge, die die deutsche und niederländische Fuchsepik-Traditionen verbinden und füreinander fruchtbar machen, sind deshalb ein Forschungsdesiderat. Die Ergebnisse der Dissertation versprechen daher disziplinär (für die Germanistik und Niederlandistik) wie interdisziplinär (u.a. für die Romanistik) hohe Relevanz.
Die besondere Bedeutung dieser komparatistischen Arbeit liegt in ihrer interdisziplinär offenen, konsequent komparatistischen Ausrichtung. Sie baut auf die wechselseitige Inspiration zweier verwandter, bisher jedoch weitgehend unabhängig voneinander operierenden mediävistischen Teildisziplinen und verknüpft Textsemantik und Narratologie. Von dieser Arbeit kann die gesamte mediävistische Forschung profitieren, ist die Tierepik doch ein genuin europäisches Genre.
Keywords / Suchbegriffe Reynaert the Fox, beast epic, Dutch literature, comparatistic, narrative techniques, historical semantics, cultural analysis, Middle Dutch, Middle High German, Reynaert, Tierepik, niederländische Literatur, Komparatistik, narrative Techniken, historische Semantik, Kulturanalyse, Mittelniederländisch, Mittelhochdeutsch
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
MA Irmgard Fuchs (Project Leader) irmgard.fuchs@uzh.ch
Funding source(s) /
Unterstützt durch
Universität Zürich (position pursuing an academic career), Others
 
In collaboration with /
In Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. Susanne Köbele, Universität Zürich Switzerland
Prof. Dr. Paul Wackers, Universiteit Utrecht Netherlands
Duration of Project / Projektdauer Sep 2015 to Okt 2020