Forschungsdatenbank

Projektübersicht
Login
Suche

Hubmann

Fakultäten » Philosophische Fakultät » Deutsches Seminar » Neuere Literatur » Prof. Dr. Davide Giuriato » Hubmann

Current research project

Title / Titel Escape and Revolt - A cultural historiography of corrective training (Working title)
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Flucht und Revolte - Eine mediale Historiografie der Fürsorgeerziehung (Arbeitstitel)
Summary / Zusammenfassung Durch den Erlass des Fürsorgeerziehungsgesetzes im Jahr 1900 vollzieht sich im deutschen Strafrecht ein Paradigmenwechsel von der Sanktion zur Prävention. Das neue Gesetz schreibt als Einweisungsgrund für delinquente Jugendliche die nebulöse Kategorie der „Verwahrlosung“ fest. Der Mangel an juristischer Differenzierung führt in der Folge zu einer Expansion des Fürsorgesystems und der Arretierung Tausender von Jugendlichen, die teils nach Gesetzesübertretungen, teils prophylaktisch per Gerichtsentscheid in staatliche und kirchliche Heime verbracht werden. Nach dem „Anstaltsjahrhundert“, in dem „Asyle[ ] und Rettungshäuser[ ]“ die Etablierung eines modernen „Kerker-Kontinuums“ (Foucault) vorbereiten, versucht der Staat im 20. Jahrhundert durch eine frühzeitige Identifizierung und Resozialisierung des „delinquenten“ Subjekts drohenden politischen Unruhen vorzubeugen.
Das wissenschaftliche Anliegen des Dissertationsprojekts besteht darin, die Medialisierung und Politisierung der Fürsorgeerziehung für den Zeitraum von 1900 - 1933 anhand von journalistischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Dokumenten nachzuzeichnen. Im Anschluss an historiografische Arbeiten über die Fürsorgeerziehung widmet sich das kulturwissenschaftlich akzentuierte Forschungsvorhaben vor allem der diskursiven Repräsentation der Fürsorgeerziehung, wodurch Dokumenttypen wie Gerichtsreportagen, Fotografien, Theaterstücke und Kinofilme in den Fokus der wissenschaftlichen Befragung rücken.
Zwei für den Fürsorgediskurs konstitutive Szenarien bilden dabei Fluchtereignisse und Heimrevolten, die in den Jahrzehnten nach 1900 in der Öffentlichkeit auf wachsendes Interesse stoßen. Während die 'gefährlichen und gefährdeten' Minderjährigen direkt nach dem Erlass des Fürsorgeerziehungsgesetzes in der Text- und Bildproduktion des Kaiserreichs zunächst nur ein Schattendasein fristen, setzen sie sich – befördert durch die Flucht- und Subversionsnarrative in Presse, Literatur und Kino – nachhaltig im Themenspektrum der Weimarer Republik fest. Der Fürsorgezögling steigt dabei ab 1928 zu einer paradigmatischen Risikofigur der polarisierten Nachkriegsgesellschaft auf, nicht zuletzt auch deshalb, weil in den kulturellen Selbstdiagnosen zunehmend Parallelen zwischen der systematischen Unterdrückung der Zöglinge und dem „stahlharten Gehäuse der Hörigkeit“ (Weber) im Staat gezogen werden. Der Fall der Zöglinge dient damit letztlich den politischen, wissenschaftlichen und künstlerische Kräften im Land dazu, Optionen der Flucht und Revolte im repressiven Superstaat zu diskutieren und imaginär auf den Prüfstand zu stellen.
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Mag. Philipp Hubmann (Project Leader) Philipp.Hubmann@ds.uzh.ch
Funding source(s) /
Unterstützt durch
Universität Zürich (position pursuing an academic career)
 
Duration of Project / Projektdauer Jan 2013 to Aug 2018