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Tröhler

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Completed research project

Title / Titel Alternative Worlds in the Politically Activist Documentary
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Alternative Weltentwürfe. Der politisch-aktivistische Dokumentarfilm
Summary / Zusammenfassung Seit einigen Jahren konstatieren Wissenschaft und Kritik ein zunehmendes Verwischen der Grenzen zwischen fiktionalen und nichtfiktionalen Filmen. Dennoch scheint sich die allgemeine Überzeugung zu halten, dass sich Dokumentarfilme durch einen faktisch-referenziellen Bezug zur historischen Welt auszeichnen. Wie aber lassen sich vor diesem Hintergrund Filme verorten, die zwar als nichtfiktional einzustufen sind, mit ihren diskursiven Strategien und Bildern aber alternative, ja utopische Welten evozieren? Diesem Paradox widmet sich das Forschungsprojekt, indem es unterschiedliche Formen politisch-aktivistischer Dokumentarfilme untersucht, die einer historischen Situation jeweils alternative Szenarien entgegensetzen. Der politisch-aktivistische Dokumentarfilm entwirft über die rein dokumentarische Funktion hinaus Gegenwelten und regt auf diese Weise die Rezipienten zu Reflexion oder gar zu politischer Aktion an. Wie der Propagandafilm betreibt der politisch-aktivistische Film eine Faktualisierung fiktiver Elemente: er unterscheidet sich vom Propagandafilm, der auf die möglichst bruchlose Vermittlung einer ideologischen Position aus ist, jedoch durch Selbstreflexivität und einen kritischen Impetus.
Diese Form des nichtfiktionalen Films wurde bislang nicht systematisch untersucht. Ihre Funktionsweisen sollen im Rahmen des Projekts konzeptualisiert und in zwei Subprojekten anhand unterschiedlicher Korpora analytisch untersucht werden. Subprojekt A widmet sich mit dem utopischen Dokumentarfilm einem Bereich, der bislang dem Spielfilm vorbehalten war. In Abkehr von der bestehenden Forschung, die sich fast ausschliesslich mit der negativen Dystopie beschäftigt, wird die Tradition der von Thomas Morus begründeten positiven Utopie im politisch-aktivistischen Dokumentarfilm lokalisiert. Leitende These ist, dass die charakteristische hybride Struktur der literarischen Utopie, die letztlich immer auf Sozialkritik zielt, ihre filmische Entsprechung im nichtfiktionalen Film hat. Im Fokus stehen dabei sowohl Filme, welche als negativ wahrgenommene soziale Entwicklungen konkret benennen und Gegenmassnahmen propagieren – Propagandafilme im engen Sinn, Filme sozialer und ökologischer Aktivisten, Bewegungsfilme –, wie auch Produktionen, die positive Gegenbilder entwerfen (etwa im ethnographischen Film) und die somit ihre Gesellschaftskritik vornehmlich implizit formulieren. Geht Subprojekt A von einem historisch und geographisch breiten Korpus aus, konzentriert sich Subprojekt B auf Filme, welche die Balkankriege der 1990er Jahre zum Thema haben und Bildwelten erschaffen, die über die Informa-tionsvermittlung hinaus Vorstellungen einer alternativen, d.h. demokratischen und pluralistischen Welt konstituieren und so ein kritisches Bewusstsein für staatliche Indoktrination und mediale Manipulation erzeugen. Absicht dieser Filme ist die Offenlegung und Überwindung nationalistischer Ideologie, die Aggression und Gewalt gegen Minderheiten schürt. Sie entwickeln durch ihre spezifischen ästhetischen Mittel rhetorische Strategien, welche die massenmedial verbreiteten politischen Positionen und Ideologien unterlaufen. Zentral ist dabei – ähnlich wie in Sub-projekt A – der Entwurf alternativer Szenarien, die auf eine zukünftige Wirklichkeit abzielen, den propagierten Status quo hinterfragen und das Publikum so zu politischer Refelxion und/oder Aktion motivieren.
Die beiden Subprojekte widmen sich zwar sehr unterschiedlichen Filmen, diesen ist aber das grundlegende Paradoxon gemeinsam, dass sie primär mit Mitteln des nichtfiktionalen Films (noch) nicht existierende, nicht-faktuale Welten evozieren, welche als kritische Gegenentwürfe zur realen Welt gelten können. Methodisch sind die beiden Subprojekte durch die semiopragmatische Ausrichtung verbunden: In beiden Fällen wird die detaillierte Analyse der Filme eng mit einer Untersuchung der historischen Produktions-, Distributions- und Rezeptionskontexte verknüpft, sodass der politisch-aktivistische Film nicht nur theoretisch und formal, sondern auch als kulturelle Praxis beschrieben werden kann.
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Prof.Dr. Margrit Tröhler (Project Leader) m.troehler@fiwi.uzh.ch
Other links to external web pages http://www.film.uzh.ch/research/projects/verbund/dokumentarfilm.html
Funding source(s) /
Unterstützt durch
SNF (Personen- und Projektförderung)
 
Duration of Project / Projektdauer May 2014 to Dec 2017