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Current research project

Title / Titel Narrative Agonistics. The Poetics of Agonism from Nietzsche to „The Wire“
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Narrative Agonistik. Zur Poetologie des agonalen Denkens von Nietzsche bis „The Wire“
Summary / Zusammenfassung Nach Jean-François Lyotards Bericht zur CONDITION POSTMODERNE (1979) bezeichnet der Begriff der Agonistik ein methodisches Prinzip, welches konfliktäre Situationen nicht als Ausnahmeerscheinungen einer ansonsten harmonischen Normalität versteht, sondern in Konflikthaftigkeit und Kampf vielmehr die Regel – die Normalität selbst – erblickt. Ansätze zu einer solchen Theorie der Konfliktualität sind bereits in Heraklits Ontologie oder in Machiavellis politischer Philosophie nachweisbar, aber erst Nietzsche hat das agonale Denken in einer Reihe unterschiedlicher Modelle auf eine Weise pluralisiert, dass seine Ideen für die Entwicklung der Agonistik bis heute prägend geblieben sind. Die Vielfalt dieser agonalen Denkmuster hängt bei Nietzsche mit der Pluralität dessen zusammen, was Lyotard später „das narrative Wissen“ nennen wird: die grossen Erzählungen und ihre Krisen, die in der Faszinationskraft von Geschichten zirkulierenden Werte und Perspektiven, welche wiederum die Streitigkeiten des wissenschaftlichen Wissens durchqueren, um darin legitimierende oder problematisierende Wirkungen zu entfalten. Als methodisches Prinzip beinhaltet die Agonistik daher stets eine narratologische Komponente, insofern Erzählungen Sprachspielzüge von hohem strategischem Wert darstellen – genauso wie die Narratologie umgekehrt besondere Beziehungen zum Agonalen unterhält, wenn Narrativität bevorzugt über die Einführung und Entwicklung eines Konfliktmoments gebildet wird: „‚The cat sat on the mat‘ is not the beginning of a story“, wie John le Carré einmal bemerkte, „but ‚the cat sat on the dog’s mat‘ is.“

In der agonistischen Forschung bleibt allerdings nicht nur diese narrative Dimension, sondern auch die Vielfältigkeit agonaler Denkfiguren tendenziell unberücksichtigt. Dies erstaunt umso mehr, als sich gerade die Narrativität im Zug des sogenannten „narrative turns“ in den Kulturwissenschaften sowie mit der verstärkten Hinwendung zu einer „Poetik des Wissens“ (Jacques Rancière) oder „Poetologie des Wissens“ (Joseph Vogl) längst als vielfältig einsetzbares Analysedispositiv etabliert hat, mit dem auch uneinheitliche Forschungsfelder prägnant sortiert werden können. Mit dem wissenspoetologischen Verfahren eröffnet sich daher die Möglichkeit, die verschiedenen Modelle agonalen Denkens anhand der Folie der Narrativität neu zu beschreiben, miteinander zu vergleichen und so in ihrer jeweils eigenen narrativen Logik zu erfassen. Damit ist das vorliegende Projekt einer narrativen Agonistik umrissen, welche ausgehend von Nietzsche und der Weiterentwicklung seiner Ansätze bei Freud, Spengler, Heidegger und Deleuze einige der grundlegenden Narrative herausarbeiten möchte, in denen allgemeine Erzählmuster von Konfliktualität formuliert und typisierte Denkschemata des Agonalen fixiert werden. Dazu werden anhand dieser Theoretiker vier zentrale Denkfiguren der Agonistik beschrieben und in vier fiktionalen Grosserzählungen der Gegenwart nachgezeichnet, wie sie neuerdings besonders populär in Fernsehserien wie THE WEST WING (1999-2006), BREAKING BAD (2008-2013), LOST (2004-2010) oder THE WIRE (2002-2008) kursieren. Aus dieser Doppellektüre von Theorie und Fiktion soll ein unterscheidungsstarkes Schema der wichtigsten Narrative agonalen Denkens gewonnen werden.
Publications / Publikationen Weitere Informationen
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Stéphane Boutin, M.A. (Project Leader) stephane.boutin@uzh.ch
Other links to external web pages http://www.ds.uzh.ch/Institut/Mitarbeitende/?detail=838
Funding source(s) /
Unterstützt durch
Universität Zürich (position pursuing an academic career)
 
Duration of Project / Projektdauer Jan 2013 to Dec 2018