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Berger

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Completed research project

Title / Titel Between textual mysticism and socialism: Kafka and Landauer (working title)
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Zwischen (Text-)Mystik und Sozialismus: Kafka und Landauer. (Arbeitstitel)
Summary / Zusammenfassung Das Projekt stellt anhand der Lektüre exemplarischer Texte und Passagen aus Kafkas Gesamtwerk die Frage nach Bedeutung und Funktion der mystischen, insbesondere der jüdisch-chassidischen Tradition für sein Schreiben neu und versucht, sie unter Zuhilfenahme medientheoretischer Analyseinstrumente einer Beantwortung zuzuführen. Zugleich dient die Beschäftigung mit einer literarischen Schlüsselfigur der Moderne im Konzentrations- und Umschlagspunkt verschiedenster Strömungen der historischen Avantgarde als Mittel, nach der Relevanz und Funktion des Mystik-Paradigmas für die Avantgarde als übergreifendes literaturgeschichtliches Phänomen zu fragen. Dazu ist es in einem ersten Schritt erforderlich, die Texte vor dem Hintergrund des jüdisch-kulturzionistischen Diskurses und der diffusen diskursiven Konstellation von kabbalistischem, sozialistischem, konservativ-organizistischem, psychoanalytischem aber auch christlich-mystischem Gedankengut unter Verwendung etwa der Begrifflichkeit Bourdieus sozial- und diskursgeschichtlich einzubetten. Hierfür eignet sich neben einer Betrachtung der Schriften von M. Buber, O. Gross oder F. Mauthner besonders der Rekurs auf eine exzentrische Gestalt, in deren Werk sich jene Diskurse gleichsam synkretistisch verbinden und verdichten: Gustav Landauer. So soll anhand einer Lektüre seiner jüdisch-sozialistischen Schriften die Virulenz des Mystik-Diskurses – der als diskursives Ausstrahlungsphänomen auch in Kafkas nicht einer bestimmten religiösen oder literaturhistorischen Tradition verpflichtetem Oeuvre seinen Niederschlag fand – belegt werden. Eine solch diskursanalytisch orientierte Untersuchung macht es in einem nächsten Schritt möglich, Kafkas intermedial angelegte Schreibverfahren etwa der Umkehrung und Ablenkung, des „gleitenden Paradoxes“ (G. Neumann) sowie der impliziten sprachphilosophischen und medialen Reflexionen, in einer textnahen Untersuchung als Praxis einer bestimmten Form von Text-Mystik zu beschreiben. Indem in seinen Schriften begriffliche Aporien und Paradoxien ausagiert werden, operieren sie an der Grenze des sprachlich noch Artikulierbaren und werden als Versuch lesbar, das Unaussprechliche unter Verwendung besonderer literarischer Techniken dennoch auszusprechen. Davon ausgehend kann die Hypothese geprüft werden, ob Kafka, weltanschaulicher Inanspruchnahme prinzipiell unzugänglich, in Bezug auf seine konkreten Schreibtechniken nicht doch ein besonderes Nahverhältnis zur jüdisch-mystischen Tradition unterhält. In einem dritten Schritt soll der schon bei Landauer manifeste Zusammenhang von sozialistischer und mystischer Tradition erneut in den Blick rücken, indem mit Verweis auf die philosophisch-ästhetischen Modelle von Benjamin, Brecht, Wittgenstein, Adorno, Deleuze, Derrida oder P. Bürger nach dem utopisch-emanzipatorischen, sprachtranszendierenden Potential text-mystischer Verfahren der historischen Avantgarde gefragt wird.
Weitere Informationen
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
lic.phil. Demian Berger (Project Leader) demian.berger@ds.uzh.ch
Funding source(s) /
Unterstützt durch
SNF (Programm NFS/NCCR)
 
Duration of Project / Projektdauer Sep 2013 to Jul 2017