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Buzek

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Completed research project

Title / Titel The Universe literally. About Comos' Self-disclosure
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Das All als Text. Zur Selbstbeschreibung des Kosmos
Summary / Zusammenfassung Erzählungen von Reisen ins Weltall kartieren den Kosmos als kulturellen Raum. Vom Wissen zum Kosmos epistemologisch angestossen und von der Imagination poetologisch geleitet beschreiben sie eine Realität, die lange Zeit für die Menschen auf der Erde als physischer Raum zwar sichtbar, doch nicht begehbar ist. Das aus der Entfernung betrachtete Weltall erklärt sich den Erdbewohnern in imaginierten Besuchen fremder Planeten und Begegnungen mit extraterrestrischen Kulturen. Aus diesen Texten, ihren Bildern, Semantiken und Narrativen, konstituiert sich der Kosmos als Wissens-, Erfahrungs- und Handlungsraum. Es ist keine Gegenständlichkeit, sondern eine Medialität, zu der sich das All literarisch verdichtet. Die Erzählungen entstehen im Spannungsfeld kosmologischer Diskurse und wirken ihrerseits auf diese zurück. Der Raum des Kosmos wird auf diese Weise erschrieben. Das Erzählen lässt den Leser die Konstruktion des Weltalls empfangen. Die Aufarbeitung der dabei eingesetzten narrativen Modelle bildet eine erste Zielsetzung des Projekts.

Indessen gilt es hierbei eine zusätzliche Komplexität zu berücksichtigen: In den Erzählungen aus dem All transportiert Literatur zwar Medialität, ist aber zugleich selbst Medium. In der textlichen Transformation des Weltraums kommt es somit zu einer medialen Konfrontation, aus der heraus sich die Literatur des kosmographischen Erzählens entwirft. Welche Wandlungen durchlaufen diese narrativen Modelle und wie entwickelt sich dabei das Spannungsverhältnis zwischen der Medialität des Texts und der Medialität des Alls? Welches transportierte Wissen lässt sich ermitteln? Seit der frühen Neuzeit lassen Texte des kosmographischen Erzählens einen extraterrestrischen Raum entstehen. Dabei finden sich unterschiedliche Formen des Umgangs mit der Konkurrenz der Medialitäten. Zum einen kann im kosmographischen Erzählen eine textlich formulierte Selbstdurchdringung gelesen werden. Zum anderen mag gerade in der Selbstdurchdringung die Prämisse des Erzählens erkannt werden. Erst der sich poetisch offenbarende Kosmos ermöglicht sein Erzählen. Das Narrativ als Beschreibungsform des kosmischen Wissens tritt nicht erst nach der kopernikanischen Wende, mit der Perspektive auf neu zu entdeckende planetarische Welten, auf. Bereits ein spiritualisierter neuplatonischer Kosmos ermöglicht über das vermittelte Wissen um seine Beschaffenheit auch seine Durchdringung. Planetengeister beseelen den Kosmos und lenken sein Erzählen. Bis in die Gegenwart spielt die Erzählung eine Rolle als Medium des kosmischen Wissens. In Reinhard Jirgls Roman Nichts von euch auf Erden sind es die Bücher, die nach der Zerstörung von Mars und Erde die Geschichte weiter schreiben und das Wissen um das Geschehene transportieren - auch zu der Leserschaft aus der Vergangenheit.

Das All präsentiert sich jedoch nicht nur in imaginierten Reiseberichten als zu erfahrender Raum. Von der hierarchisch explizierten Ordnung des spirituell beseelten Kosmos über den christlichen Geo- und Anthropozentrismus bis zur empirisierenden Erforschung des Weltraums, liegt der Konzeption des Universums stets eine räumliche Konstruktion zugrunde. Als Raum der immer gleichzeitig real wie imaginiert ist muss sich uns das Weltall als "thirdspace" nach Edward Soja zeigen. Mehr noch: als räumliche Bedingung des Daseins muss das All an den Beginn aller räumlichen Konzeption und Diskursivierung der Lebenswelt gestellt werden. Der kosmische Raum der in den Erzählungen von Kepler, Goodwin, Cyrano de Bergerac und Huygens, bis Wells und Lasswitz, Scheerbart und Stapledon begangen wird ist darum von zentraler Bedeutung, auch für das Dasein unter den Bedingungen einer irdischen Räumlichkeit. Wie der Kosmos im Erzählen seine Konstruktion offenbart, macht er sich dem Leser der Erzählungen auch als Raum zugänglich. Das All schafft sich in der Erzählung seinen eigenen Raum.
Weitere Informationen
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Boris Buzek, MA, MSc (Project Leader) boris.buzek@ds.uzh.ch
Funding source(s) /
Unterstützt durch
SNF (Personen- und Projektförderung)
 
Duration of Project / Projektdauer Jul 2013 to Jun 2017