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Rother

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Completed research project

Title / Titel Theologia Epicurea
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Summary / Zusammenfassung Es mag unangemessen erscheinen, in gleichem Sinne von epikureischer Theologie zu sprechen wie von platonischer Theologie, wie dies Proklos oder Ficino in einschlägigen Werken taten, oder wie man mit Blick auf Buch Lambda der Metaphysik durchaus eine Theologie des Aristoteles geltend machen kann. Ihre Theologiewürdigkeit verdanken Platon und Aristoteles vor allem der neuplatonischen und der scholastischen Rezeption, die die paganen Gottesvorstellungen in einem kreativen Assimilationsprozess in christliche Dogmatik transferierten. Ganz anders die Götterlehre Epikurs. Ihr stand der Ruf ihres Begründers als Stammvater des Hedonismus und als Materialist entscheidend im Wege. Seine Theologie begründete in der hellenistischen Rezeption durch Philodem, Lukrez und andere eine wichtige Traditionslinie, die durch die nachhaltige Ausbreitung der Philosophia Christiana allerdings gekappt wurde. Epikurs Versuch, den Menschen zu einem angstfreien Verhältnis zu den Göttern zu verhelfen wurde aus christlicher Sicht als Leugnung eines göttlichen Gerichts und als trügerischer Freipass zu hedonistischer Zügellosigkeit gedeutet – mit der Folge, dass Epikur zu den geächteten und schließlich verdrängten und vergessenen Philosophen gehörte, bis ihn im 16. Jahrhundert italienische Humanisten wie Lorenzo Valla oder im 17. Jahrhundert Denker wie Pierre Gassendi wieder ins herrschende kulturelle Bewusstsein zurückholten.
Das Projekt möchte unter synchronen und diachronen Aspekten unterschiedliche Fragen der epikureischen Theologie und ihrer Rezeptions- und Rejektionsformen diskutieren: Wie gestaltet sich die hellenistische und spätantike Aneignung und Weiterentwicklung der epikureischen Theologie? Wie deren Ablehnung (etwa durch Plutarch oder Lukian)? Welches sind die systematischen und historischen Gründe für ihre christliche Verwerfung? Welches die Argumentationsstrategien christlicher Auseinandersetzung mit Epikur – etwa bei Justinus dem Märtyrer, Laktanz oder Augustinus bis hin zum Mittelalter? Und unter welchen historischen und ideengeschichtlichen Bedingungen und mit welchen doktrinären Interessen entsteht der Renaissance-Epikureismus? Wie gestalten sich in der frühen Neuzeit die Versuche einer Versöhnung Epikurs mit dem Christentum (namentlich bei Gassendi)? Welchen Gebrauch machen Deismus, Skepsis und Libertinismus von der epikureischen Götterlehre? Und lassen sich historische und systematische Verbindungen zur Religionskritik des 19. Jahrhunderts herstellen? Schließlich: Wie werden kultischen Praktiken im Kepos (Gebet, Totengedenken, Mahlgemeinschaft usw.) tradiert und zu religiösen Praktiken transformiert?
Keywords / Suchbegriffe Epicurus, Theology, Hellenistic Philosophy, Deism, Scepticism
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Prof. Dr. Wolfgang Rother (Project Leader) wolfgang.rother@philos. uzh.ch
Funding source(s) /
Unterstützt durch
No project-specific funding
funds will be raised at a later date
In collaboration with /
In Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. Michael Erler, Universität Würzburg Germany
Duration of Project / Projektdauer Jan 2013 to Dec 2017