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Zeugin

Fakultäten » Theologische Fakultät » Religionswissenschaftliches Seminar » Prof. Dr. Dorothea Lüddeckens » Zeugin

Completed research project

Title / Titel Self-Empowerment at the End of Life: Alternative End-of-Life Care in Switzerland from a Religious Studies’ Perspective
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Selbstermächtigung am Lebensende: Eine religionswissenschaftliche Untersuchung al-ternativer Sterbebegleitung in der Schweiz
Summary / Zusammenfassung Die zunehmende Verbreitung alternativ-religiöser Handlungsformen (z.B. Meditation) und Rationalisierungen (z.B. Reinkarnation) stellt neben dem Rückgang konventioneller, d.h. vornehmlich christlich-kirchlicher, Formen von Religion einer der auffallendsten Aspekte des religiösen Wandels der letzten Jahrzehnte im globalen Norden dar. Ob-gleich trotz rückläufiger Mitgliederzahlen der christlichen Landeskirchen das Christen-tum auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach wie vor die dominierende religiöse Tradi-tion darstellt, sind in der Schweiz immer weniger Menschen einer religiösen Gemein-schaft zugehörig. Im Rahmen dieser Entwicklungen kam es sowohl zum Ansteigen mus-limischer, hinduistischer und buddhistischer Religionszugehörigkeit als auch zur Ver-breitung alternativer Handlungsformen und Rationalisierungen im Bereich Neuer Reli-giöser Gemeinschaften, New Age und westlicher Esoterik, die zunehmend in breite Ge-sellschaftsschichten diffundieren. Alternativ-religiöse Praktiken und Rationalisierungen finden sich demnach nicht mehr nur im „kultischen Milieu“, sondern gehören immer mehr zum kulturellen Mainstream und stehen somit allen gleichermassen zur Verfü-gung.
Insofern Menschen gerade zur Bewältigung von Krankheit vermehrt auf Religion zu-rückgreifen, stehen schwer Kranken und Sterbenden im Umgang mit dem eigenen Le-bensende neben konventionellen Formen von Religion also auch alternativ-religiöse Handlungsformen und Rationalisierungen zur Verfügung. Das Gleiche gilt für Mitarbei-tende von Gesundheitseinrichtungen, die gleichermassen von diesem Wandel beein-flusst sind in ihrem Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod sowie mit schwer Kranken und Sterbenden. Hinzu kommt, dass die konventionelle Medizin im Zuge von Medikali-sierungs-, Professionalisierungs- und Institutionalisierungsprozessen immer weniger Handlungsanleitungen und Erklärungsmuster bereithält, wenn es um Krankheit, Ster-ben und Tod geht, so dass gerade in der medizinischen Begleitung am Lebensende ein Bedarf nach Alternativen entsteht. Insofern ist es nicht erstaunlich, wenn neben alterna-tiven Formen von Religion auch alternative Heilpraktiken in der Sterbebegleitung eine Rolle spielen. Wie eine solche alternative Begleitung am Lebensende konkret aussieht, ist Gegenstand des Dissertationsprojektes, das sich als primäre Bestandsaufnahme ver-steht. Als solche hat es in erster Linie alternative Handlungsformen und Rationalisie-rungen in der Praxis alternativer Sterbebegleitung aufzuspüren: Welche alternativ-religiösen Handlungsformen und Rationalisierungen spielen in der Begleitung am Le-bensende eine Rolle? Welche Bedeutung wird alternativen Heilpraktiken in der Beglei-tung am Lebensende zugeschrieben? Wie sieht diese konkrete Begleitungspraxis aus und wie wird sie sowohl situativ als auch ex post diskursiv rationalisiert? Und worin besteht letztlich die Alternativität dieser Praxis resp. wie verhält sich diese zum Selbstanspruch der Palliative Care, die schwer Kranken und Sterbenden auch spirituell zu begleiten?
Die Frage, wo sich eine solche Praxis am besten rekonstruieren lässt, führt erstens in ein Hospiz für schwer Kranke und Sterbende und zweitens in ein anthroposophisch-medizinisches Spital. Beide Gesundheitseinrichtungen begleiten schwer Kranke und Sterbende und wenden dabei mitunter alternative Heilpraktiken an, wobei die Verankerung der beiden medizinischen Teilbereiche, d.h. der Palliative Care und der Komplementärmedizin, unterschiedlich ausfällt: Während das Hospiz als Kompetenzzentrum für Palliative Care komplementärmedizinische Verfahren als Besonderheit in ihrem organisationsspezifischen Angebot herausstreicht, preist das anthroposophisch-medizinische Spital sein komplementärmedizinisches Angebot als Standard, begleitet schwer Kranke und Sterbende aber bloss über die Grundversorgung.
Publications / Publikationen Zeugin, Barbara (2017): Is CAM Religious? The Methodological Problems of Categorizing Complementary and Alternative Medicine in the Study of Religion, in: Bulletin for the Study of Religion 46/1, 6-8.

Zeugin, Barbara; Walthert, Rafael (2016): Des pratiques verbales aux pratiques rituelles: Religiosité dans un hospice suisse, in: Pierre-Yves Brandt und Jacques Besson (Hg.): La spiritualité en institution hospitalière. Genf: Labor et Fides, 157-173.

Zeugin, Barbara (2016): Anthroposophische Sterbebegleitung in Auszügen. In: Facultativ. Theologisches und Religionswissenschaftliches aus Zürich (2), 10.

Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Barbara Zeugin (Project Leader) barbara.zeugin@uzh.ch
Prof.Dr. Dorothea Lüddeckens dorothea.lueddeckens@uzh.ch
Funding source(s) /
Unterstützt durch
Forschungskredit der Universität Zürich, SNF (Personen- und Projektförderung), SNF (Programm NFP)
 
Duration of Project / Projektdauer Sep 2012 to Dec 2018