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Completed research project

Title / Titel History and Political Geography of Western Asia Minor in the Hittite Period
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Geschichte und Geographie Westkleinasiens in der Hethiterzeit
Summary / Zusammenfassung Die Forschungsarbeit soll grundsätzlich zwei Teile umfassen, einerseits die geographische Rekonstruktion und andererseits die historische Darstellung. Die Geographie wird in verschiedenen Kapiteln die Gebiete des späteren westlichen Galatien, Phrygien und Pisidien, sowie die Landschaften Mysien, Lydien und Karien umfassen und sich so geographisch an die Studien von Barjamovic (A Historical Geography of Anatolia in the Old Assyrian Colony Period, Kopenhagen 2011) und Kryszeń (A Historical Geography of the Hittite Heartland, noch unpublizierte Dissertation, Warschau 2014) anschliessen.
Folgende Fragen stehen im Zentrum des geographischen Teils der Arbeit: Welche Nahbeziehungen weist ein bestimmtes Gebiet oder ein bestimmter Ort mit anderen Gebieten auf? Lassen sich Relationen mehrerer Orte zueinander feststellen und wenn ja, welche? Lassen sich Veränderungen bezüglich der Ausdehnung und der Grenzen bestimmter Länder ausmachen? Lässt sich vielleicht sogar eine relative Geographie dieser Gebiete erstellen? Zum Schluss soll auch danach gefragt werden, welche Plausibilität die bisher vorgeschlagenen Gleichungen hethitischer Ortsnamen mit späteren Toponymen beanspruchen können. Lassen sich diese anhand der Quellen verifizieren oder falsifizieren? Lassen sich an den jeweiligen Orten, die für eine Lokalisierung eines hethiterzeitlichen Toponyms in Frage kommen, auch archäologische Spuren für die Spätbronzezeit nachweisen?
Ein erstes Kapitel werden die Länder Kassiya, Wahsusana und Harziuna bilden, die grosso modo zwi- schen Kızıl Irmak und Sakarya und südlich des Sakarya lokalisiert werden können. In einem zweiten Kapitel werden dann die Länder Sallapa, Parduwata, Pitassa und Walma behandelt, die als Übergangs- zone zwischen Zentral- und Westanatolien in den Quellen erscheinen.
Das eigentliche Arzawa-Reich, das wohl bis an die Ägäis reichte, wird das dritte Kapitel bilden, während die sogenannten Arzawa-Länder, also Hapalla, Mira-Kuwaliya, Seha-Appawiya und Wilusa in einem grossen vierten Kapitel (mit entsprechenden Unterkapiteln) behandelt werden sollen.
Eine Untersuchung der schwierigen Länder Masa und Karkisa, sowie einige neuere Überlegungen zu Lukka werden das fünfte Kapitel des geographischen Teils bilden.
Ein abschliessendes Kapitel wird die Ergebnisse der geographischen Untersuchung rekapitulieren, wobei eine kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Lokalisierungen und sprachlichen Gleichungen erfolgt.
Die historische Darstellung wird dann die Auseinandersetzung der Hethiter mit den genannten Gebieten in historischer Perspektive thematisieren, im Bewusstsein, dass die Quellenlage (wir besitzen fast nur hethitische Quellen) zu starken Verzerrungen bei der Rekonstruktion der Geschichte dieser Gebiete führen kann.
Die Fragen, die in diesem Teil besonders interessieren sind folgende: Wie stellen sich die Beziehungen zwischen Zentral- und Westanatolien im Laufe der Zeit dar? Was lässt sich über die politische und historische Entwicklung Westkleinasiens in der Spätbronzezeit aussagen? Was sind Ursachen, Verlauf und Ergebnisse der Konflikte in Westanatolien? Wie ist das Verhältnis der kleineren, in den Quellen, so genannten ”Arzawa-Länder“ zum grossen Reich Arzawa? Wie entwickeln sich die einzelnen Länder im Laufe der Zeit politisch? Wie lassen sich die verschiedentlich in Westkleinasien auftretenden Unruhestifter im Rahmen der politischen Kontrolle des Hethiterreiches über Westkleinasien verorten? Lässt sich im Westen, im Gegensatz zu Zentralanatolien, eine Kontinuität über den Untergang des Hethiterreiches hinaus feststellen?
Der Fokus der historischen Untersuchung liegt dabei, ohne die anderen Gebiete zu vernachlässigen, auf den weiter westlich gelegenen Landschaften, da die Orte des späteren Westgalatien politisch und kulturell stark nach Norden und Osten orientiert sind, und so Beziehungen aufweisen, die über das untersuchte Gebiet hinausgehen.
Die Einteilung ergibt sich hier aus den vorhandenen Quellen. Die relativ quellenarmen frühen Epochen lassen uns nur schlaglichtartig einzelne Episoden der westkleinasiatischen Geschichte erkennen. Es scheint, als wären die Kontakte zwischen den Hethitern und dem Westen in dieser Zeit ziemlich oberflächlich geblieben. Mit Beginn des Neuen Reiches d.h. Tudhaliya I./II. werden die Quellen ausführlicher. Für Tudhaliya I./II. und dessen Nachfolger Arnuwanda I. lassen sich immerhin einige Feld- züge in den Westen feststellen.
Zur Zeit Arnuwandas und seines Sohns und Nachfolgers Tudhaliyas III. scheint Arzawa, das mächtigste Land in Westkleinasien, weit nach Osten expandiert zu haben, was einerseits aus Kämpfen gegen Arzawa in Gebieten des späteren Kilikien deutlich wird, und andererseits aus der Korrespondenz des Arzawa-Königs Tarhundaradu mit dem ägyptischen Pharao Amenhotep III.
Suppiluliuma I., dem Begründer des hethitischen Grossreiches, gelang es, den Einfluss Arzawas einzudämmen und seinem Sohn Mursili II. schliesslich Arzawa und die Arzawa-Länder zu erobern. Diese Unterwerfung wurde durch den Abschluss von Vasallenverträgen besiegelt.
Mursilis Sohn Muwatalli II. unterwarf ein viertes westkleinasiatisches Land, Wilusa, und ordnete es den anderen Arzawa-Ländern (Mira, Seha und Hapalla) bei. Grund für die Unterwerfung von Wilusa scheinen verschiedene Unruhen in Westkleinasien gewesen zu sein, die sich über mehrere Jahrzehnte hinweg zogen und v.a. mit dem Namen des Aufrührers Piyamaradu verbunden sind. Dieser, wohl dem abgesetzten Königshaus von Arzawa entstammende war-lord sorgte in den hethitischen Vasallenstaaten des Westens für kontinuierliche Unruhe in seinem Versuch ein eigenes Reich zu schaffen oder die alten Besitzverhältnisse wiederherzustellen. Noch die Nachfolger Muwatallis, sein Sohn Mursili III. und sein Bruder Hattusili III., hatten mit Piyamaradu zu tun.
Doch nicht nur Piyamaradu sorgte für Unruhe. Die kriegerische Auseinandersetzung um den Königsthron, die zwischen Mursili III. und seinem Onkel Hattusili III. entbrannte, sorgte dafür, dass auch die westkleinasiatischen Vasallen Stellung beziehen mussten.
Hattusilis Sohn und Nachfolger Tudhaliya IV. rühmt sich nochmals ausgedehnter Eroberungen in Südwestkleinasien, der Kontext bleibt für uns aber weitgehend unklar. Auch der letzte König des Hethiterreiches, Suppiluliuma II., gibt an, Kriege gegen südwestkleinasiatische Länder geführt zu haben, auch wenn hier die Interpretation und teilweise die Datierung der Texte noch unklarer ist, als bei seinem Vater Tudhaliya IV.
Danach bleibt fraglich, wieviel sich mit dem Untergang des hethitischen Reiches im Westen veränderte. Offenbar konnten sich zumindest im südlichen Zentralanatolien Könige halten, die auch gegen Westen zu expandieren versuchten. Auch ob verschiedene luwische Inschriften und Siegel aus Westkleinasien vor oder nach dem Ende des Hethiterreiches zu datieren sind, ist umstritten.
Publications / Publikationen Weitere Informationen
Keywords / Suchbegriffe Hittite geography, Western Anatolia, Mycenaeans, Hittites, Luwians, Arzawa, Karkisa, Masa, Cuneiform, Hieroglyphic Luwian
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
lic.phil. Max Gander (Project Leader) max.r.gander@gmail.om
Other links to external web pages https://uzh.academia.edu/MaxGander
Funding source(s) /
Unterstützt durch
Universität Zürich (position pursuing an academic career), SNF (Personen- und Projektförderung)
 
Duration of Project / Projektdauer Jan 2009 to Nov 2016