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von Sass

Fakultäten » Theologische Fakultät » Hermeneutik und Religionsphilosophie, Institut für » Prof. Dr. Ingolf Ulrich Dalferth (emeritiert) » von Sass

Completed research project

Title / Titel Gott als Ereignis des Seins. Versuch einer hermeneutischen Onto-Theologie
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Summary / Zusammenfassung Folgende Reduktionismen hat die gegenwärtige Theologie im Angebot: 1) die Rückführung Gott auf ein soziologisches oder kulturelles Datum; 2) die Rückführung Gottes auf ein Element der Struktur unseres Selbstbewusstseins; 3) die Rückführung Gottes auf ein Ereignis der Sprache. Die in den 60er bis 80er Jahren dominante – und seitdem tot gesagte – Hermeneutische Theologie (HT) war stets kritisch gegenüber 1) und 2), hat aber ihrerseits einen linguistic turn vollziehen müssen, um zu einem Projekt der „dritten Art“ zu werden.
Heideggers Existenzanalysen und deren Rezeption bei Bultmann waren dezidiert auf die Fraglichkeit der Existenz und der daran geknüpften „Theologie der Entscheidung“ fokussiert, während dann – unter dem Eindruck des späten Heidegger und der sprachontologischen Hermeneutik Gadamers – die Sprachlichkeit menschlicher Existenz auch theologisch in den Mittelpunkt rückte. Die angedeutete Rückführung Gottes auf ein „Sprachereignis“ (Fuchs) bzw. ein „Wortgeschehen“ (Ebeling) ist nun aber ein alles andere als reduktionistisches Programm, weil Sprache gerade nicht Sprache bleibt, sondern ein auf nichts anderes rückführbares Verständnis unserer Selbst, des Nächsten und der uns umgebenden Welt coram Deo stiftet, dem es theologisch nachzudenken gilt.
Eben dies tut diese Arbeit, indem sie die uns von der sich hermeneutisch verstehenden Theologie zugespielten Sprachfiguren konstruktiv aufnimmt und kritisch fortzuführen versucht. Dabei lese ich dieses ganze Unternehmen als einen ausbaubedürftigen, aber auch ausbaufähigen Weg einer Theologie, die sich jenseits der Vergegenständlichung Gottes einerseits und der darauf bereits reagierenden Reduktionismen andererseits versteht. – In einem ersten Teil wird programmatisch die Frage beantwortet, was hermeneutisch an der HT ist und in welcher Hinsicht sie heute in einer ganz anders gelagerten theologischen Landschaft verteidigt werden kann und sollte; anschliessend gilt es, die HT mit der vielseitigen Kritik an ihr zu konfrontieren und daraus korrigierende Schlüsse zu ziehen, um im letzten Teil an den konkreten Sprachfiguren weiterzuarbeiten, die den skizzierten dritten Weg zu realisieren helfen.
Dabei wird mit Heideggers Begriff der „Zuhandenheit“ und dem Problem des verobjektivierenden Denkens eingestiegen, dann wird mit drei Szenarien der Passivität bei Gadamer fortgefahren (Sprache, Kunst, Spiel), um Bultmanns Kategorie des existentialen Selbstverständnisses sprachtheologisch zu wenden – im Rückgriff auf die Arbeit an figürlicher Rede (Gleichnis, Entsprechung und Analogie, Metapher; Jüngel und Ricoeur) und den schillernden Ereignisbegriff (Fuchs und Badiou). All dies wird in einem Epilog gebündelt, wobei im Gespräch mit Caputo zu klären ist, in welchem Sinn das ursprüngliche Anliegen der HT zu radikalisieren ist, um nicht nur zu einer „Sprachlehre“ von „Gott“, sondern tatsächlich einer Gotteslehre beizutragen.
In diesem dreigliedrigen Aufbau wird die Hauptthese der Arbeit entfaltet, die knapp besagt: Christlicher Glaube verfügt nicht über einen bestimmten Gegenstandsbereich, sondern ihm wird alles – also auch er sich selbst – zum Gegenstand, allerdings unter einem bestimmten Vorzeichen: Gott. Der Glaube glaubt nicht an…, sondern er vollzieht alles glaubend; und insofern glaubt er an alles – immer anders, manchmal neu.
Publications / Publikationen Sprachspiele des Glaubens. Eine Studie zur kontemplativen Religionsphilosophie von Dewi Z. Phillips mit ständiger Rücksicht auf Ludwig Wittgenstein (Religion in Philosophy and Theology 47), Tübingen: Mohr Siebeck, 2010

Weitere Informationen

Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Dr. theol. Hartmut von Sass (Project Leader) hartmutvonsass@hotmail.de
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Funding source(s) /
Unterstützt durch
No project-specific funding
 
In collaboration with /
In Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. Ingolf U. Dalferth
Theologische Fakutät
Universität Zürich
Kirchgasse 9
8001 Zürich
Switzerland
Duration of Project / Projektdauer Nov 2009 to Aug 2012