Forschungsdatenbank

Projektübersicht
Login
Suche

Rother

Fakultäten » Philosophische Fakultät » Philosophisches Seminar » Allgemein » Prof. Dr. Wolfgang Rother » Rother

Current research project

Title / Titel Hedonistic Philosophy
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Die Philosophie des Hedonismus
Summary / Zusammenfassung Philosophische Positionen, die man mit dem im 19. Jahrhundert geprägten Begriff Hedonismus bezeichnet, gab es zwar schon vor Epikur, doch steht vor allem sein Name für jene philosophische Konzeption, die man als Lustlehre bezeichnen kann und der zufolge alle Lebewesen von Natur aus nach Lust streben und Schmerz meiden. In der postmodernen Alltagskultur, die von einem weit verbreiteten Lifestyle-Hedonismus geprägt ist, scheint das oftmals missverstandene Lustprinzip eine grundlegende lebenspraktische Maxime zu sein. Seine theoretische Fundierung hat der Hedonismus dagegen verloren, seit Kants Pflichtethik, die bis in unsere Tage den moralphilosophischen Diskurs dominiert, die Lust theoretisch diskreditiert hat.
Eine genauere philosophiegeschichtliche Analyse zeigt, dass der epikureische Hedonismus bei aller Kritik von Anfang an auch eine positive, wenn auch zuweilen subkutane Rezeption nicht nur bei paganen, sondern sogar bei christlichen Denkern erfahren hat. So hat man in Epikur nicht nur den “Lebenskünstler” gesehen, sondern den philosophischen Theoretiker einer “ars vitae”, die reflektierte Lust (Lustkalkül) mit aufgeklärter Kenntnis der Welt zu verbinden versteht. Eine produktive, wenn auch meist kritische Auseinandersetzung mit Epikurs Lustlehre ist bereits in der Spätantike fassbar, wo in christlich-platonischem Denken Jenseitssehnsucht und Ablehnung epikureischer Diesseitigkeit vorherrschend waren. Oder in der Philosophie der Renaissance, wo man sich durchaus positiv auf epikureische Konzeptionen bezog, um eine christliche Diesseitsbejahung theoretisch zu legitimieren (z.B. bei Lorenzo Valla). Und die Philosophie der Neuzeit suchte wiederholt Hilfe bei hellenistischen Denkern wie Epikur, um den Platonismus und Aristotelismus des Mittelalters zu überwinden. Dabei kommt es zu interessanten und positiven Rezeptionsversuchen der Lustlehre, sodass man die Rehabilitierung Epikurs und seines Hedonismus durchaus als Topos der Aufklärung bezeichnen kann.
Publications / Publikationen Wolfgang Rother: Jenseits des Hedonismus. Aristoteles über Lust, Tugend und glückliches Leben, in: Méthexis 19 (2006) 111-123.
Wolfgang Rother: «Il dolore è il principio motore di tutto l’uman essere». Pietro Verri e Cesare Beccaria al di là della felicità, in: Il secolo dei Lumi e l’oscuro, a cura di Piero Giordanetti, Giambattista Gori e Maddalena Mazzocut-Mis (Milano, Udine: Mimesis, 2008) 71-84.
Schwabe Epicurea, hrsg. von Michael Erler und Wolfgang Rother (Basel: Schwabe, 2009ff.).
Wolfgang Rother: Lust. Philosophische Perspektiven von Platon bis Freud (Basel: Schwabe, 2010) [Schwabe reflexe 8] 152 S.
Wolfgang Rother: Hedonismus und Ästhetik. Bemerkungen zu Gustav Theodor Fechner, in: Leitmotiv. Topics in Aesthetics and in Philosophy of Art. Motivi di estetica e di filosofia dell’arte, n.s. 0 (2010) 71-87.
http://www.ledonline.it/leitmotiv/Allegati/Leitmotiv-2010-0-Rother.pdf
Wolfgang Rother: Piacere, gioia, desiderio. L’edonismo degli antichi e dei moderni, in: Rivista di storia della filosofia 66/3 (2011) 543-547.
Michael Erler, Wolfgang Rother (Hrsg.): Philosophie der Lust. Studien zum Hedonismus (Basel: Schwabe, 2012) [Schwabe Epicurea III] 343 S.
Wolfgang Rother: Lust im deutschen Idealismus: Kant, Reinhold, Hegel, in: ebd., 317-337.
Wolfgang Rother: Genießen und Genuss. Annäherungen an ein Phänomen menschlicher Existenz, in: Hedonismus. Genuss – Laster – Widerstand?, hrsg. von Lothar Kolmer und Michael Brauer (Wien: Mandelbaum, 2013) 15–28.
Wolfgang Rother: Epikur – Lebenskunst und Lustlehre, in: e/t/ü. HistorikerInnen-Zeitschrift, Elfenbeintürmer, Historisches Seminar, Universität Zürich, Frühlingssemester 2013 (2013) 6–9.
Wolfgang Rother: Facetten der Unlust, in: Unlust / Reluctance, hrsg. von Christine Abbt und Christine Weder. Figurationen. Gender – Literatur – Kultur 15/2 (2014) 16–30.
Keywords / Suchbegriffe Hedonism, pleasure, Epicure, influence of Epicure
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Prof. Dr. Wolfgang Rother (Project Leader) wolfgang.rother@philos.uzh.ch
Funding source(s) /
Unterstützt durch
Private Sector (e.g. Industry)
Fritz Thyssen StiftungSchwabe AG
In collaboration with /
In Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. Michael Erler, Universität Würzburg Germany
Duration of Project / Projektdauer May 2009 to Dec 2020