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Kurmann-Schwarz Trümpler

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Completed research project

Title / Titel Eva-Maria Scheiwiller, Johann Jakob Röttinger. A Pioneer of Glass-painting
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Eva-Maria Scheiwiller, „ ... gemäss den Regeln und Gesetzen der Ästhetik und der christlichen Kunst [...]“
Johann Jakob Röttinger: Ein Glasmalerpionier im Dienste des Historismus
Summary / Zusammenfassung Das 19. Jahrhundert gilt als Epoche der Wiederentdeckung der monumentalen Glasmalerei. Im Barock und Klassizismus war der Bedarf an gemalten Glasfenstern nicht nur stark zurückgegangen sondern gänzlich unmodern geworden. Johann Jakob Röttinger (1817-1877) aus Nürnberg, der sich im Stil der Spätnazarener vor allem der sakralen Glasmalerei widmete, galt als einer der frühen Glasmaler, die durch innovatives Handeln und Experimentieren die Qualität der wieder aufgenommenen Glasmalerei verbesserten und die Wertschätzung für das fast vergessene Kunstgewerbe wieder aufleben ließen. Röttinger trat 1844 in die Zürcher Werkstatt des ebenfalls aus Nürnberg eingewanderten Email- und Glasmalers Johann Andreas Hirnschrot ein. Nach dessen frühem Tod etablierte er sich als selbstständiger Glasmaler und eröffnete 1848 sein eigenes Atelier.
Als Vorbereitung zur Teilnahme am Projekt diente einerseits die im Oktober 2007 bei Frau Prof. Dr. Brigitte Kurmann-Schwarz eingereichte Lizentiatsarbeit mit dem Titel: „Gebrannte Glasmalereien in jeder Manier,“ Neue Glasmalkunst des 19. Jahrhunderts im Werk Johann Jakob Röttingers, andererseits die Integration des Nachlasses der Werkstatt Röttinger in die Zentralbibliothek Zürich und die Inventarisierung der Archivalien. Im Gegensatz zur breiten Hinterlassenschaft der beiden Söhne Georg und Heinrich Röttinger, welche das Geschäft des Vaters nach Vollendung ihrer Ausbildung zehn Jahre nach dessen Tod weiterführten, nimmt sich der Bestand der Archivalien des Firmengründers schmal aus. Der graphische Nachlass beschränkt sich abgesehen von im Staatsarchiv aufbewahrten Zeichnungen des mittelalterlichen Scheibenzyklus’ in der Klosterkirche zu Königsfelden, die J.J. Röttinger im Auftrag der Antiquarischen Gesellschaft Zürich ausführte, auf wenige Blätter. Während sich weder Kartons noch Scheibenrisse aus dieser ersten Werkstattepoche erhalten haben, sind schriftliche Quellen und ein Skizzen- bzw. Auftragsbuch tradiert. Die Arbeit konzentrierte sich daher in der ersten Forschungsphase auf die Dokumentation des erhaltenen Glasmalerei–Bestandes, der sich aus Glasmalereien in situ sowie in Depots gelagerten zusammensetzt, und der Archivarbeit in Pfarreien, Gemeinden sowie in verschiedenen deutschen Archiven insbesondere in Nürnberg, der Heimatstadt Röttingers. Der Aufbau einer Forschungsdatenbank als interaktives Datenarchiv bekam im Hinblick auf die spätere Verwendung als Werkkatalog einen entsprechenden Stellenwert.
Nach Abschluss der Auswertung der gewonnenen Daten, vor allem Herkunft, Ausbildung und Stilprägung betreffend, erfolgte die Aufarbeitung des erwähnten schmalen, jedoch in mancherlei Hinsicht aussagekräftigen graphischen Nachlasses. Obwohl die zeichnerische Reproduktionstechnik immer stärker von der Fotografie konkurrenziert wurde, hatte sie den Vorteil, dass sie farbig gestaltet werden konnte – einen wichtigen Schritt machte Röttinger mit seinen Nachzeichnungen in Richtung einer Dokumentation von Monumenten für die Tätigkeit der Denkmalpflege. Als Ausbildungsstätte berühmter Glasmaler (Kreuzer, Merzweiler, Berbig, Wehrli, van Treeck) aus dem süddeutschen und Schweizer Raum strahlte das Atelier Röttinger im Sinne eines Kulturtransfers auf wichtige Glasmalereizentren Süddeutschlands zurück – ein Aspekt, der das Atelier Röttinger als Wiege bekannter Glasmaler auszeichnet.

Einen Schwerpunkt bildeten ikonographische Phänomene im Werk J.J. Röttingers im Zusammenhang mit zeitgenössischen Strömungen der sakralen Malerei. Dabei war es möglich innerhalb der sakralen Ikonographie Akzente bezüglich Bildthemen katholischer und protestantischer Ausrichtung zu setzen. Die Darstellung diskursiver Themata, allen voran der stehende „Lehrende Christus“, erhielten im protestantischen Umfeld den Vorzug, wogegen Heilige und sehr häufig christliche Symbole bei den Katholiken anzutreffen waren. Die erhaltenen Glasmalereien mit profanen Themen, erlaubten nicht nur an die Schweizerische Tradition der Wappenschenkungen anzuknüpfen, sondern auch Bezüge zur großen Zeit der heraldischen Glasmalereizyklen in Rathäusern und anderen öffentlichen Gebäuden zu schaffen. Aus der Vergessenheit hervorgeholte Geschlechterwappen in Schwyz – Stiftungen stolzer Nachfahren im 19. Jahrhundert – lassen Besonderheiten der frühen Innerschweizer Geschichte erkennen und verweisen auf das Selbstverständnis der Ahnherrn, welche sich von adliger Herrschaft zu befreien wussten, um die erstrebte Eigenständigkeit zu erlangen. Die von den Auftraggebern gewünschte Ausführung nach den Regeln der christlichen Kunst beziehungsweise nach den Gesetzen der Ästhetik (Zitat im Titel) galt es zu definieren und nach Quellen des erforderten Standards zu suchen. Die Problematik der Rezeption von nazarenisch-historisierenden Kunstwerken aus dieser Epoche musste im Kontext des Gesellschaftswandels, der veränderten religiösen Haltung und der Revision philosophischer Anschauungen beurteilt werden. Die Rezipienten der Zeit um 1900 vermissten nicht nur die kritische Auseinandersetzung der sakralen Kunst mit den genannten Aspekten sondern favorisierten bereits das leuchtende Farbenspiel des aufkommenden Jugendstils, dessen übersteigerter Naturalismus stark symbolistische Elemente aufwies. Die statischen Heiligenfiguren der Spätnazarener konnten schließlich mit der archaisierenden Vereinfachung der modernen überlängten Gestalten und den neuen Ausdrucksmitteln, des edelsteinhaften Leuchtens oder des Goldgrundes nicht mehr mithalten und wurden häufig ausgewechselt oder gar zerstört.

Die Dissertation wurde im Sommer 2012 abgeschlossen: Erstgutachten: Prof. Dr. Brigitte Kurmann-Schwarz, Zweitgutachten: Prof. Dr. Tristan Weddigen (Kunsthistorisches Institut der Universität Zürich) angenommen. Die Publikation wird vorbereitet und soll 2013 erscheinen.

The 19th century is well known as a period of revival of monumental glass-paintings. In time of baroque and classicism there was a retrogression because the painted windows were antiquated and unpopular. Johann Jakob Röttinger (1817-1877) from Nuremberg, called Nazarene of a later generation, was one of the early glass-painter who improved the quality of these form of arts and crafts. In the years of 1840 he took possession of a glass-painting-studio in Zurich from the early deseased painter J. A. Hirnschrot also from Nuremberg. During the project Röttingers work has to be asked in questions of arthistory, history of civilisation, anthropology and theory of media. The problems are the origin and integration, the development, transfer of culture and the mode of formation of the work in front of the history and the churchhistory in the troubled 19th century. Last but not least the changed reception of art of historism has to be explored with regard to the alteration of the society, the religiosity and the philosophic opinion.
The first part of research concentrates on documentation of glass-painting in situ and deposited besides, on research work in archives and in building up a database as work equipement.
Weitere Informationen
Keywords / Suchbegriffe Johann Jakob Röttinger, Wiederentdeckung der monumentalen Glasmalerei, Glass-painting, revival of Swiss stained glass, Spätnazarener, Glasmalerpionier, Historismus, churchhistory.
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Prof. Dr. Brigitte Kurmann-Schwarz (Project Leader) kurmann-schwarz at bluewin.ch
Dr. Stefan Trümpler (Project Leader) truempler.vitrail at bluewin.ch
Lic. phil. Eva-Maria Scheiwiller eva.scheiwiller at gmail.com
Other links to external web pages http://www.vitrocentre.ch
http://www.vitromusee.ch
http://www.zb.uzh.ch
http://www.corpusvitrearum.org
Funding source(s) /
Unterstützt durch
SNF (Personen- und Projektförderung), Others
Vitrocentre, Romont, Schweizerisches Forschungszentrum für Glasmalerei und Glaskunst RomontDenkmalpflege der Stadt ZürichDenkmalpflege des Kantons Zürich
In collaboration with /
In Zusammenarbeit mit
Dr. Elgin Vaassen-van Treeck
München
Germany
Prof. Dr. Jean-Michel Leniaud
École pratique des Hautes-Etudes
Paris

Dr. Jean-François Luneau
Université Blaise Pascal, Clermont-Ferrand
France
PD Dr. Barbara von Orelli-Messerli
Kunsthistorisches Institut der Universität Zürich
Switzerland
Duration of Project / Projektdauer Dec 2008 to Jun 2012